Freitag, 23.08.2013

Adéu, Adiós und Auf Wiedersehen

Bevor ich jetzt auf alte Volksweisheiten wie „alles hat ein Ende nur die Wurst…“ zurückgreife oder ins Schmalzige abdrifte, mache ich lieber mit meinem inzwischen zum Werbeblog mutierten Lobgesang auf Spanien und vor allem Katalonien weiter!

Denn meine Zeit in beautiful Spain ist um, mal wieder hat sich gezeigt, wie relativ die Zeit ist, denn die letzten 7 Monate gingen um wie im Space-Shuttle-Flug! Aber deshalb ist nicht Trübsal blasen angesagt. Denn ich empfinde vor allem eine große Dankbarkeit, dass ich dieses wundervolle Land mit seinen sympathischen Menschen, wunderschönen Orten, Traditionen und tollen Köstlichkeiten kennen lernen durfte. Und dass ich mir die Zeit nehmen durfte, eine „unproduktive“ Pause zu nehmen, mein Studium noch ein halbes Jahr „hinauszuzögern“, um stattdessen zwar auch zu studieren und zu lernen, aber noch mehr um zu reisen, besuchen und beobachten. An dieser Stelle wird’s nun doch etwas rührselig, denn ich danke allen wunderbaren Menschen, die mich unterstützt haben, an mich gedacht haben oder meinen Blog gelesen haben. Und ich freue mich schon auf ein Wiedersehen!

Einer meiner Ausflugstipps: Das Kloster Montserrat im Norden von Barcelona es gibt schöne Wanderwege und die Aussicht ist auch nicht schlecht! herrlich alte Stadt: Toledo, in Richtung Valencia und das ist die Konkurrenz: Reus, nördlich von Tarragona Das tolle Casa Milà von Gaudí Font Màgica, zusammen mit ca. 2000 anderen Touris besucht aber die andere Richtung war auch schön anzusehen! Cambrils, ein kleiner Küstenort in der Nähe Der eindrucksvolle Pont del Diable in Tarragona auch von oben nett herrlicher Blick in Tarragona Gute Nacht, Tarragona!

Für mich heißt es seit ein paar Tagen nun schon wieder „Guten Morgen“ anstelle von „Bon dia“, nachts schläft man schneller ein, weil es keine 30 Grad hat oder der Nachbar oben drüber seine Waschmaschine im Schleudergang laufen lässt. Und man muss nicht fürchten, nachts über Kakerlaken auf der Straße zu stolpern. Andererseits fehlt das Meer. Der Meeresduft. Der Meeresblick. Die Sonne und der Wind. Das Leben ist ruhiger in Deutschland, wo bleibt die fiesta? Aber dafür ist alles so schön grün, und sauber. Und patatas bravas kann man sich ja auch selbst in der Pfanne braten!! Dasselbe ist es aber nicht. Ein wunderschönes Abenteuer ist zu Ende, für das ich unendlich dankbar bin. Tarragona bleibt für immer in meinem Herzen. Schmalz!

Ha, aber als Trostpflaster habe ich mir schon den nächsten Flug wieder zurück gebucht (und dabei vergessen, den 10%-Rabatt-Gutschein einzulösen, ich Dussel)! Mitte September geht es noch einmal zur allergrößten Fiesta zurück! Die geht eine Woche lang, in der die Stadt Kopf steht, anlässlich der Märtyrerin Santa Tecla. Ein Party-Blog-Eintrag als Abschluss ist dann vielleicht noch mal drin.Lächelnd

Bis dahin: Moltes gràcies, a reveure, que vagi bé!

Montag, 19.08.2013

Abenteuer bei den Kelten

Ministerpräsident Mariano Rajoy hat sie, der Vater von Fidel Castro hatte sie, und Diktator Francisco Franco auch. Die Rede ist von der keltischen Abstammung, auf die sie und die restlichen Bewohner Galiciens im Nord-Westen Spaniens stolz sind. Diese und die Lage am äußersten Ende Spaniens, direkt neben Portugal, abgeschottet durch hohe Bergketten vom Rest Spaniens, sorgen dafür, dass sich auch Galicien wieder wie ein neues kleines Land anfühlt. Das wird unterstützt durch wieder einmal eine neue Sprache, das Gallego. Das ist eng mit Portugiesisch verwandt und wird von der Bevölkerung auch oft dem Spanischen vorgezogen, aber dazu später mehr.

die Kathedrale über der Grabstätte des Apostels Jakobus meine reizenden Begleiterinnen Herzlich Willkommen im Pilgerland!

Zunächst landeten meine italienische Mitbewohnerin und ich morgens um acht im schönen Santiago de Compostela und warteten in der gerade erwachten Pilgerstadt auf unsere spanische Mitbewohnerin, die aus Galicien stammt und unser Tourguide für die nächsten Tage sein sollte. Als Nicht-Pilger, ohne Wanderstab und Pilger-Jakobsmuschel fühlt man sich direkt unsportlich zwischen all den sonnengebräunten und verschwitzten Pilgern (übrigens roch es auch dementsprechend in unserem Hostelzimmer – dafür hatte das Hostel aber den besten Blick auf die berühmte Kathedrale).

Im Innern der Kathedrale Das hier sind die zwei Marias

Nach einem sonnigen Tag und einer frischen Nacht ging es am nächsten Tag Richtung Süden nach Pontevedra, was am Ende einer der vielen fjordähnlichen Flussmündungen am Atlantik liegt. Unser perfektes Timing bewies sich mit Paraden von traditionellen Trachten- und Musikgruppen, die uns bei unserer Ankunft empfingen und das Peregrina-Fest zu Ehren der Pilger einläuteten. Die keltische Abstammung zieht sich in Form von Dudelsäcken und besonderen Tänzen in zugeknöpften und vielschichtigen Trachten durch – Pech, wenn die spanische Sonne die warme Bekleidung ignoriert und trotzdem scheint wie ein Weltmeister. Glück für uns, denn wir konnten uns den Rest des Tages an einem Strand in der Nähe entspannen. Und zum ersten Mal den kalten Atlantik spüren! So ca. 17° Wassertemperatur ist dann wirklich eine Erfrischung… Abends gings dann gleich weiter mit der bekannten Celtic Metal-Band Mägo de Oz, die mit ihren keltischen Elementen wie die Faust aufs Auge auf den Marktplatz in Pontevedra passte. Nur die ganzen betrunkenen Gruppen um uns herum störten etwas und verströmten so eine Art Karnevals-Atmosphäre: immer ca. 5 Personen haben einen Gruppennamen und tragen das gleiche selbstgestaltete (und zwangsweise witzige) T-Shirt, und eigentlich geht es dann nur noch ums Trinken. Später, in einer (passenderweise) Irish-Bar (eigentlich könnte man auch draußen bleiben, wenns nicht so kalt wäre, denn die Straßen sind knallevoll), kann man die Ausmaße der Trinkerei dann in dem betrunkenen wild knutschenden Pärchen nebenan beobachten, oder auch in der genialen Stimmung. Und dann kommt das Galicien-Lied! Das Licht wird gedimmt, die Musik fast runtergedreht, denn nun singen alle so LAUT es geht. Und dann kommt gleich noch ein zweites Galicien-Lied. Lokalpatriotismus also auch hier. Aber sehr sympathisch.

Wunderschöne keltische Musik und hinter mir, während ich die Parade anschaue... ach ja, Stiere gabs auch die besagten warm bekleideten Tänzer unsere kleine und kalte Bucht nachts dann Paaarty

Der nächste Tag war für einen ganz besonderen Ausflug reserviert: es ging mit der Fähre auf die Insel Cíes. Laut „The Guardian“ gibt es hier den schönsten Strand der Welt. Zum Glück steht die „Insel der Götter“ unter Naturschutz, denn sonst würden sich bestimmt noch mehr als 2.000 Gäste täglich hier die Füße platt treten. Der Strand ist auch sehr schön, aber irgendwie fehlen dann doch die Palmen zum vollständigen Paradies. Dafür gibt es einen kleinen Berg, den es lohnt, hinaufzusteigen in der prallen Hitze, denn die Aussicht ist doch herrlich paradiesisch. Abends dann noch mehr Highlights: eine Motorrad-Stunt-Show sowie galizische Tapas (auf die Tintenfische verzichtete ich aber dann doch).

das ist er, der perfekte Strand und hier die wunderschöne Aussicht auf dem Weg zum ähm, GipfelAbkühlung nach der anstrengenden Wanderung nur leider nicht allein am Strand und abends dann ramontische Stimmung

Genau wie in der Nacht zuvor übernachteten wir später bei der Tante meiner Mitbewohnerin, irgendwo in der Pampa in den Bergen, auf einem kleinen Hof, von Weinbergen umgeben und akribisch bewacht von zwei sehr lauten Hunden (also nachts heimschleichen geht schon mal gar nicht!). Als wir in der ersten Nacht spät heimkamen, saß die Tante noch rauchend in der Küche und wartete uns. Auf Gallego berüßte sie uns laut, rau aber herzlich. Im Falle dass wir es nicht verstünden, sprach sie einfach noch ein bisschen lauter und wiederholte alles ein paar Mal. Morgens wollte sie uns „Beicon“ anbieten, weil sie das aus dem Fernsehen kennt, und stellte dann aber doch Vollmilch mit Kaba und Zucker auf den Tisch. Die zwei Söhne schlichen neugierig im Haus herum, und der Großvater kam in die Küche, um sich Wein nachzuschenken. Alles natürlich auf Gallego. Großartig!

die Aussicht von unserem Balkon wenn die Hunde nicht kläffen, kann hier geruht werden

Es gibt ja noch viel mehr zu sehen! Am nächsten Tag das kleine und hübsche Städtchen Vigo, in dem Christopher Columbus von seiner triumphalen Reise, bepackt mit ein paar Sklavinnen aus der fremden Welt, zuerst ankam. Neben einer tollen Aussicht gab es für mich noch etwas Ungewöhnliches zu bestaunen: die erste spanische Vegetarierin! Ich hatte fast nicht mehr daran geglaubt! Zwinkernd

mal wieder schöne Küste in so einem Schiff kam der gute Columbus an Ebony and Ivory...

Der Abschluss dieses vollgestopften langen Wochenendes bildete eine perfekte sternenklare Nacht, die wir ideal nutzten: in natürlichen Thermalbädern unter freiem Himmel, die von heißen Quellen am Flussufer des Miño in Ourense gespeist werden, genossen wir die letzten Stunden und sammelten Sternschnuppen.

gut für die Haut soll es ja sein... ...oder einfach nur entspannen!

Montag, 05.08.2013

Pintxos, Surfer und Kamele

Welche Bank hat ihren Geschäftssitz in Santander? Natürlich die Banco Santander, ein Zusammenhang, der mir erst auffiel, als ich die Promenade der 9km langen Bucht, entlang derer sich Santander erstreckt, entlangspazierte. Aber eigentlich wusste ich auch sonst nichts über die Hauptstadt Kantabriens, die mich dann aber mit ihrem Charme eines alt-herrschaftlichen Seebades, langen Strandpromenaden, traumhaften Stränden und einer insgesamt herrlichen Küste überraschte und restlos überzeugte. Zusammen mit meiner fachkundigen, weil heimischen Gastgeberin Esther wurde die Stadt zu Fuß und per Fahrrad erkundigt: von der Halbinsel La Magdalena mit ihrem königlichen Palast bis nach hinten zur Bucht von Mataleñas, zurück am Hafen vorbei und durch die Innenstadt – die aufgrund eines Großbrandes im Jahr 1941 zwar keine historischen Gebäude mehr aufweisen kann, aber trotzdem sehenswert ist. Rauf und runter ging es also, denn Santander hat dank sehr steiler Straßen gute Aussichtspunkte – aufregende Momente inklusive, wenn man Schuhe mit glatten Sohlen trägt…mein Knie kann ein Lied davon singen!

eine schöne Bucht neben der anderen tolle Landschaft Kantabriens meine wunderbare Gastgeberin die Kathedrale, die nach dem Brand rekonstruiert wurde und DESHALB das Wort Kamel in der Überschrift: voilà einfach mal so, wird Fischsuppe am Hafen verteilt neues Bild für mich: mal keine katalanischen Fahnen der Ausblick aus meiner Unterkunft!

Aber wenn man schon im Norden ist, gibt’s da nicht noch andere schöne Städte? Die gibt’s, und eine davon ist auf jeden Fall Bilbao! Und damit befinden wir uns im Baskenland, meine Freunde! Und auf einmal wurde ich seehr dankbar für die schöne Sprache Katalanisch, denn was man hier spricht, die baskische Sprache, oder auch „Euskara“…das hat dann wirklich mit NICHTS mehr Ähnlichkeit. Es handelt sich um eine sogenannte isolierte Sprache, die mit keiner anderen Sprache verwandt ist. Ich beschwere mich nie wieder über Katalanisch!! Ansonsten präsentierte sich Bilbao äußerst freundlich und lebhaft, bei unserer Ankunft mit einem Freiluft-Konzert in der Innenstadt. Hier liegt einfach Musik in der Luft, weitere Beweise dafür sind zwei Mitglieder von Ska-P, (oder auch ein Bandmitglied von Christina Stürmer), die von hier stammen. Auch sonst war es am Sonntagnachmittag alles andere als ruhig in der Innenstadt: die halbe Bevölkerung zog von Bar zu Bar, um hier und da ein Pintxo mit Bier zu genießen. Und was für Pintxos! Gegrillte Pilze, Blätterteigtaschen, hochgetürmte Köstlichkeiten…nicht an Kreativität zu überbieten! Mit gefülltem Magen gings weiter durch die wunderschöne Altstadt, am Fluß  Ría de Bilbao entlang, zum Guggenheim-Museum, nur Essen geht ja nicht, ein bisschen Kultur muss schon auch sein. Und auch hier blieben die großen Touristenströme aus, es war endlich mal möglich, eine Stadt ganz entspannt zu besichtigen.

ja, und das sind sie, die Pintxos... die schöne Innenstadt Bilbaos das Guggenheim-Museum links mal ein Beispiel, was ich mit isolierter Sprache meinte

Noch mal 100km weiter östlich liegt dann Donostia. Oder auch auf Spanisch: San Sebastián. Hier gibt es sowohl die höchste Dichte an Sterneköchen sowie an Michelin-Sternen weltweit. Trotzdem behält es seinen Charme als Fischer- und Surferort mit wunderschönen kleinen Gässchen und tollen Stränden. Besonders die Bucht La Concha, die von zwei kleineren Bergen eingegrenzt wird, mit der kleinen Felseninsel Santa Clara davor, prägt das Bild dieses malerischen Ortes. Und über den Berg Urgull mit seiner Christus-Statue rüber, gibt’s auf der anderen Seite noch mal eine genauso schöne Bucht! Da ich mich hier schon wieder auf meiner Heimreise befand, besichtigte ich Donostia allein. Die Alleinreisenden unter uns wissen, wie nervig es ist, ständig andere Touris fragen zu müssen, ob sie nicht ein Foto von einem machen könnten. Nicht so dieses Mal! Ein älterer Herr, dem offensichtlich langweilig war, weil er darauf wartete, dass seine Mutter das Essen zubereitete, knipste ungefähr 20 Fotos von mir – und ich muss sagen, die sind sogar was geworden! Bevor er mir seine ausgedehnte ganze Lebensgeschichte erzählte – geboren in Donostia, lebt aber in Madrid, besucht grade seine Mutter – konnte ich mich dann aber noch loseisen. Zurück nach Tarragona gings dann zusammen mit einem Haufen Amerikaner und Australier, die auf ihren Europa-Reisen in Pamplona beim Stierrennen oder in Barcelona vorbeischauen wollten. Bevor sich meine australischen Sitznachbarn vollkommen an ihren Sonnenblumenkernen verschluckten, gab ich ihnen noch den Tipp, die Schale vorher zu entfernen. Und wieder in Tarragona angekommen, empfing mich die nächtliche feucht-warme Hitze Kataloniens (und ich wollte sofort wieder zurück in den zumindest 3° kälteren Norden!!).

 

nein, kein langweiliges Wasser-Bild...da sucht einer was! die Bucht La Concha Schaumparty im Hafen eines der Meisterwerke meines persönlichen Fotografen und hier ein weiteres ein kleiner Regenschauer schreckt doch richtige Surfer nicht ab auch hier gibts seltsame Traditionen: Kinder dürfen andere Kinder mit Schweinsblasen hauen der Hafen von San Sebastián und ab und an ziehen kleine Gruppen von Musikanten und gigantes vorbei

Dienstag, 30.07.2013

Herzlich willkommen im heißen Süden

„Herzlich Willkommen“, „Gepäckausgabe“, „Ausgang“ – äh Moment mal, bin ich aus Versehen in Deutschland gelandet? Die Schilder am Flughafen kommen mir grade gar nicht spanisch vor… Nee, stimmt schon, Malaga, hier stehts noch mal. Seeehr seltsam. Während man in Barcelona am Flughafen noch mit katalanischen Durchsagen zu kämpfen hat, fühlt man sich am Flughafen in Malaga sofort heimisch – mysteriöser Weise sind sämtliche Wegweiser zuerst auf Deutsch, und dann erst auf Spanisch und Englisch beschriftet! Egal, das heimische Gefühl verschwindet auch sofort wieder, sobald man ins Freie tritt, denn die Temperaturen, abends um 21 Uhr noch um die 30°C, sind dann doch wieder sehr spanisch. Und damit begann meine Reise durch das feurige Andalusien.

Ausgangspunkt war das, wie schon erwähnte, deutsch-spanische Malaga, zweitgrößte Stadt Andalusiens. Hier wurde Pablo Picasso geboren, es gibt eine maurische Festung aus dem 11. Jahrhundert, eine Kathedrale mit nur einem vollendeten Turm (Geldmangel), und sonst ist die Stadt bekannt für ihre große Stierkampfarena sowie die Semana Santa mit den wichtigsten und am besten besuchten Oster-Prozessionen in Spanien. Was gibt es sonst noch über diese Stadt zu berichten? Ach so, Antonio Banderas ist hier geboren, klar, das muss noch erwähnt werden! Und, im Gegensatz zu meinem schönen Katalonien, wird hier der Müll nicht getrennt. Der Deutschen in mir fällt so was ja sofort auf.

Gute Idee: Schatten für den shoppenden Touri Alcazaba, die maurische Festung auch hier gibt es ein Amphitheater (natürlich lang nicht so schön wie in Tarragona...) südliches Feeling in Malaga

Mit meinen zwei schönen Begleiterinnen aus Deutschland gings außerdem noch in die Hauptstadt Andalusiens, nach Sevilla, die einer Legende nach von Herakles gegründet wurde. Außer, dass man sofort nach Luft ringt, wenn man aus dem Zug steigt, da es hier soo unglaublich heiß ist (2003 wurden 47°C gemessen), fällt auf, dass diese Stadt eine alt-ehrwürdige, majestätische Eleganz ausstrahlt. Vielleicht konnte sich deshalb auch hier der Flamenco so entwickeln, der hier seinen Ursprung haben soll. Und da wir vorhin ja schon bei den Malern waren: Diego Velázquez, der z.B. das bekannte Gemälde „Las Meninas“ geschaffen hat, wurde hier geboren. Historisch gesehen gibt es in Sevilla eine Mischung aus römisch-maurisch-christlichen Wurzeln, und der Königliche Alcázar, der mittelalterliche Königspalast, ist das beste Beispiel dafür: unter christlicher Herrschaft entstanden, aber mit islamischen Einflüssen, die in wunderschönen Ornamenten, Farbkompositionen und Verzierungen zu bewundern sind. 

wunderschöner Plaza de España in Sevilla im Alcázar da gehts lang zu den ehemaligen Schlafgemächern typisches Bild: dösende Pferde, hier vor der Kathedrale meine sehr nette Begleitung :-)

Der letzte Ausflug führte mich an den Fuße der Sierra Nevada, in die alte Universitätsstadt Granada (erste Siedlungen ca. 500 v.Chr.) (und übrigens Partnerstadt von Freiburg), die vor allem mit der Alhambra einen Tourismusmagnet zu bieten hat (und alle Homepages darüber behaupten, es sei uuuunmöglich, Karten vor Ort zu bekommen. Alles Quatsch, war gar kein Problem!). Das ist eine wunderschöne islamische Burganlage von etwa 740 m Länge und 220 m Breite. Sie liegt etwas auf einem Hügel, das heißt, man muss sich erst einmal den Hügel hochquälen (als Student spart man ja, wo man kann), aber oben wird man für seine Bemühungen belohnt. Wunderschöne Gärten und herrliche Paläste erwarten die (leider) zahlreichen Gäste, und wenn man nach dem Aufstieg Hunger kriegt, muss man das eben gesparte Geld leider wieder in ein überteuertes Bocadillo stecken. Aber sei’s drum! Granada an sich ist super toll, die Alhambra ist wunderbar, dies ist mein exklusiver Urlaubs-Tipp für heute.

So, das ist nun in der sagenumwobenen Alhambra viele schöne Fotomotive... ...da konnte ich mich gar nicht entscheiden, was ich jetzt hochladen soll! noch ein bisschen grün... ...und ein Gletscher-Bild für Papa ...und noch mal grün das wars jetzt aber mit Fotos

Die letzten zwei Tage verbrachte ich dann noch im Hostel in Malaga, da meine Begleitung schon wieder in Deutschland war, und durfte so tolle Situationen erleben wie: ein Schotte und ein Australier können sich gegenseitig kaum verstehen (und ich konnte mich problemlos mit denen jeweils einzeln verständigen); als ich nachts in mein Bett will, liegt da schon einer drin, der neu angereist war; kalte Duschen morgens und abends. Und das gesamte Zimmer geht geschlossen was trinken und dann zur Open-Mic-Night, in der ein riesen Spanier mit Glatze gefühlvolle Balladen singt.

 

 

Donnerstag, 18.07.2013

das Reisen möge beginnen...

Lange Zeit blieb dieser arme blog verwaist; das liegt aber nur daran, dass aus dem Erasmus-Blog nun ein Reise-Blog wird! In der letzten Zeit hatte ich das Glück, andere Ecken von Spanien kennen lernen zu dürfen, zuerst gings ab in den Süden.

Die erste Reise führte mich ins ca. 250km entfernte Valencia, im Zug sehr komfortabel und ruhig, aber so kalt, dass ich fast zähneklappernd ankam. Was ist das nur mit diesen Klimaanlagen hier?? In Sommerkleidung kann man doch nicht bei gefühlten 15 Grad stundenlang sitzen! Aber egal, die valencianische Sonne lacht ganz schön heftig, da ist man gleich wieder warm.

meine liebe Begleitung Iri und ich ein weiteres schönes Touri-Foto von mir!

In Valencia haben die Stadtplaner mal einen guten Job gemacht: das ehemalige Flussbett des Turia, das aufgrund von wiederkehrenden Überflutungen trockengelegt wurde, zieht sich nun als attraktiver Park durch die Stadt, der in der „Stadt der Künste und der Wissenschaften“  mit Museum, Aquarium, Opernhaus etc. mündet. Und sonst hat Valencia alles, was man sich wünschen kann: eine tolle Altstadt, mit der Seidenbörse sogar ein Gebäude des UNESCO Weltkulturerbes, einen schönen großen Strand, einen Fußballclub in der ersten Liga, und natürlich, Paella. Für mich gab‘s die in der vegetarischen Variante, aber die echte Pallea Valenciana ist nur echt mit Huhn und Kaninchen! Guten Appetit, sag ich da nur! Ach, und verdursten muss man auch nicht: ein typisches Getränk ist die Horchata, ein milchiges Getränk aus der Erdmandel – super süß und seltsam, aber muss man mal getrunken haben.

in der Seidenbörse und abends dann: Party hieeeeer drin tagsüber sieht das Ganze dann so aus

Valencia ist die beliebteste Stadt in Spanien für Erasmus-Studenten, man könnte fast sagen, sie quillt über vor Erasmus-Studenten. Alle anderen Erasmus-Studenten zu kennen, wie bei mir in Tarragona, ist da nicht möglich, auch das Kennenlernen von spanischen Studenten ist vielleicht ein bisschen schwieriger, wenn man mit noch 5 anderen Deutschen in der Vorlesung sitzt. Andererseits gibt es, im Gegensatz zu Tarragona, tatsächlich ein Nachtleben (zum Beispiel in der „Stadt der Künste und der Wissenschaften“, super tolle Location!), und die Taxifahrer zocken einen nicht mal ab, wenn man, müde nach stundenlangem Tanzen, nur noch nach Hause will.

in der Horchateria besorgt man sich, was auch sonst, die Horchata! der Statuen-Kopf rechts unten zeigt, dass beim Bau etwas schlampig gearbeitet wurde... und ein letztes Schmankerl: das fast engste Haus der Welt!

Alles in allem eine wunderschöne Stadt, die ich, im Gegensatz zu Barcelona, fast noch ein bisschen attraktiver finde. Hier ist es zwar auch sehr touristisch, aber so einen Touri-Auflauf wie in Barcelona muss man doch nicht fürchten. Deshalb mein Tipp des Tages: wer eine Stadt in Spanien am Mittelmeer sucht mit schönem Strand, Kultur und Nachtleben, go to Valencia! (ach so, außer zur Zeit der Fallas! Da ist der Erholungsfaktor dann gleich Null…)

Montag, 01.07.2013

Und das Feiern hört nicht auf…

Vor zwei Wochen berichtete ich von den ersten Vor-Feierlichkeiten für Sant Joan, letzte Woche war dann Sant Joan selbst dran, und diese Woche steckte voller Nach-Feierlichkeiten.

Die Sonnwendfeier selbst ist in Spanien geprägt von Feuerchen am Strand (bei denen, die das Glück haben, einen Strand zur Hand zu haben), Feuerwerkskörpern, Böllern, in Katalonien dann noch von sogenannten „rennenden Feuern“ („correfocs“, als Teufel verkleidete Menschen, die ganz schnell mit Feuerwerks-ähnlichen Feuern herumrennen) und generell ganz viel öffentlicher Feierei. In Tarragona zum Beispiel war der Strand knallevoll, hauptsächlich mit Jugendlichen, die ebenfalls knallevoll waren. Die Feuer, die so groß angekündigt waren, gabs leider nicht – aus „Kostengründen“, wie mir von verschiedenen Einwohnern Tarragonas erklärt wurde (soo teuer ist so ein bisschen Holz doch jetzt auch nicht, oder?). Vor allem fraglich, da es zeitgleich auf dem Plaça De La Font ein tolles Konzert gab, das bis kurz nach vier Uhr morgens ordentlich einheizte.

Feuerwerk am Strand! Der volle Strand, hier vor allem mit Erasmus-Leuten Konzert mitten in der Altstadt bis nachts um halb fünf - wo gibts denn so was

Die Stimmung kann man sich also so ein bisschen wie Silvester vorstellen, nur dass man nicht so friert und dafür noch schön am Strand spazieren kann. Allerdings tendieren auch hier die Einheimischen dazu, so wie bei den Fallas in Valencia, es mit den Böllern ein bisschen zu übertreiben. Sagen wir es mal so: es ist angebracht, stets die Augen offen zu halten, und sobald die Menschen vor einem schnell zur Seite huschen, selbst das Weite zu suchen. Ob es den Kindern oder deren Vätern mehr Spaß macht, herumzuböllern, kann an dieser Stelle nicht festgestellt werden.

Wie an allen anderen Festen, und bei jeglichen anderen Möglichkeiten, sind auch an Sant Joan die castells nicht aus der Öffentlichkeit wegzudenken. So gab es ein Aufeinandertreffen aller vier Tarragona-Gruppen auf dem schon besagten Plaça De La Font, die nacheinander ihr Besten zum Besten gaben – mit spektakulären Intermezzi! Eine der beiden eigentlich besseren Gruppen hatte nämlich einen schwachen Tag – oder zumindest ein Glied davon, das morgens wahrscheinlich nicht seinen Frühstücksbrei aufgegessen hatte. Ein Mann auf der zweiten Ebene schwächelte gleich zweimal, wodurch zwei Türme –vollständig aufgebaut, also bis zu 8 Personen übereinander – einbrachen. Der Schock war natürlich, gerade bei den kleineren Kindern von ganz oben erst mal groß, aber zum Glück war nichts passiert, alle sind heil geblieben. So etwas nennt man übrigens in den castell-Fachkreisen etwas zynisch „fer llenya“ („Kleinholz machen“). Meistens geht das gut, denn darauf sind die castellers natürlich vorbereitet, aber dennoch gibt es in der Geschichte der Menschentürme bisher 3 Todesopfer zu beklagen.

Einer der Türme, die zusammenbrachen acht Ebenen hat dieser Turm

Ach so, aber das Feiern ging ja noch weiter: mit der ersten (was die Teilnahme daran irgendwie in ein schönes historisch wichtiges Licht rückt) Schwulen- und Lesben „Demonstrations“-Party. Ein Teil des Parkes bei uns um die Ecke wurde schön dekoriert, DJ-Pult aufgebaut, und schon ging die Party los. Bis nachts um zwei unter freiem Himmel zu toller Musik zu tanzen, das konnten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen… J.

Nachtrag: gestern Abend wurde die Feierlaune kurzzeitig getrübt, als schon wieder eine spanische Mannschaft ein Fußball-Endspiel nicht gewinnen konnte – es kommt mir vor, als hätte ich spanische Fußballspieler bisher nur verlieren sehen…Aber egal, morgen beginnt das Feuerwerks-Festival, da wird die Laune doch sofort wieder besser!

 

Montag, 17.06.2013

Wo die Feste fallen,…

…da wird in Tarragona gefeiert, auch wenn das eigentliche Fest in Wirklichkeit eine Woche später ist. Wir sprechen hier von Sant Joan, der Johannisnacht, Sonnwende, vom 23. auf den 24. Juni.

Warum also nicht einfach mal eine Woche vorher anfangen, es gibt ja heutzutage so wenig zu feiern, denken sich die Katalanen, so geschehen (und gesehen) gestern Nacht. An Sant Joan wird es verschiedene Feuer am Strand geben, bei denen auch einige der „gigantes“, der selbstgemachten großen Figuren verbrannt werden. Eine der Gruppen, die solch eine Figur gebastelt hat, feierte das gestern schon mal ausgelassen.

Mit viel Tanz, Musik und Gesang durch die engen Gässchen der Altstadt – Karneval im Juni, nur viel schöner und spaßiger als der tatsächliche Karneval!

Was wär ne Party ohne gute Musik? Diese zwei gigantes hier propagieren, was auch sonst, das Recht zur Selbstbestimmung Party für Fortgeschrittene: erst alle runter, dann warten, und dann...ohhhhhay als Prozession gings die Gässchen runter bis zu einem Platz, wo die Party aber noch lange nicht aufhörte

Samstag, 08.06.2013

Keine weiße, eher braune Weihnacht…

Freut euch, denn von allen katalanischen Traditionen, die ich bisher hier vorgestellt habe, ist dies bestimmt die seltsamste!

Weiß jemand, wer den katalanischen Kindern die Weihnachtsgeschenke bringt? Das Christkind, Vater Weihnacht, oder Hexe Befana? Nein, hier macht das ein Holzklotz!

Aber nicht irgendeiner! Der Tió de Nadal (oft einfach ein mit Geschenken gefüllter Korb) wird mit einem Tuch verdeckt, und die Kinder schlagen mit Stöcken darauf und singen das Lied des Caga tió. Daraufhin „entleert“ sich der Tió, und heraus kommen die Geschenke.

Passenderweise gibt es in der Weihnachtskrippe dann auch immer einen Caganer, einen „Kleinen Scheißer“, mit heruntergelassener Hose und passendem Häufchen, der sich so unters Krippenvolk mischt. Ursprünglich ist dieser wie ein katalanischer Bauer mit Schärpe und Mütze gekleidet, heutzutage gibt es die Figur aber in Form von sämtlichen Politikern, Stars und vor allem Fußballspielern. Eine ähem, Ehre, wahrscheinlich.

rechts vorne im Bild haben wir den Tió de Nadal, wie er ein Geschenk ähm, rauslässt Sämtliche wichtigen Persönlichkeiten, von Dalai Lama bis Obama, als Caganer und natürlich darf der FC Barca nicht fehlen und hier noch mal die traditionelle Version des Caganers

Die Figur mit den heruntergelassenen Hosen soll ein Sinnbild für den Kreislauf der Natur darstellen, also von wegen Dünger für die Erde und gute Ernte im nächsten Jahr und so. Außerdem ist der Caganer ein Symbol für einen ausgeglichenen Körper („menja bé, caga fort i no tinguis por a la mort!“ – „Iss gut, scheiße kräftig und fürchte dich nicht vor dem Tod!“).

Diese Tradition ist übrigens so verwurzelt, dass selbst die Kirche den Caganer als Teil der Krippenfiguren akzeptiert.

Na, und? Spinnen die Katalanen oder was? ;-)

 

Mittwoch, 05.06.2013

Solidarität in Tarragona

Die Klausuren sind vorbei, die letzten schriftlichen Aufsätze abgegeben, das Leben beginnt wieder, die Sonne lacht, der Strand ruft. Was aber macht der gute Student von heute, wenn er wieder ein bisschen Zeit in der Tasche hat? Klar, er geht demonstrieren.

Es ging vor allem darum, unsere Solidarität zu zeigen.

Mit unseren türkischen Mitstudenten, die dazu aufgerufen hatten, aber vor allem mit den Demonstranten in der Türkei, gegen die gerade mit brutaler Gewalt vorgegangen wird.

mit Plakaten bewaffnet ging es über die Rambla Solidarität für die Türkei! Unser Zeitungsartikel

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Angefangen hat alles mit der gewaltsamen Auflösung von friedlichen Protesten gegen ein großes Bauvorhaben im Gezi-Park am Taksim-Platz in Istanbul. Die Aufmerksamkeit der Demonstranten richtete sich daraufhin immer mehr gegen die autoritäre Regierung von Erdogan, der zum Beispiel auch sämtliche Medien unter seiner Gewalt hat. So wurde denn auch in den türkischen Medien wurde nichts davon gezeigt, dass inzwischen viele Demonstranten, auch in allen anderen großen türkischen Städten, bei Demonstrationen verletzt wurden – mehr als 1700 Personen bisher, zwei Menschen wurden getötet.

Unsere Solidaritäts-Aktion hatte zum Ziel, Aufmerksamkeit zu schaffen und zu informieren. Wir wurden mit vielen interessierten Menschen während der Demonstration belohnt, aber vor allem brachte die Aktion uns auf die erste Seite der lokalen Zeitung, so dass wir sicher können, einige Menschen erreicht zu haben!

Auch eine Mini-Demonstration kann (be)wirken.  

 

 

Montag, 20.05.2013

Meanwhile, in Spain...

Nein, der Wettergott meint es nicht gut mit meinem Besuch aus Deutschland. Erster Tag im Urlaub, da fängt es doch abends so sehr an zu schütten, dass wir im Restaurant festsitzen. Der Versuch, ein Taxi zu rufen, scheitert, denn: die Taxis fahren einfach mal nicht bei Regenwetter (!!!!).

Als wir uns dann schließlich eine Stunde später zu Fuß auf den Weg machen, weil wir denken, nach Hagel, Blitz und Donner kann nichts mehr kommen, wissen wir auch, warum kein Taxi sich raus traute: in den Straßen steht das Wasser mehr als knöcheltief. Aufgrund der Naivität spanischer Städteplaner, der Klimawandel ändere nichts am spanischen Sommer-Sonnen-Wetter ist das Kanalisationssystem nämlich eher bescheiden ausgebaut, also so was wie Gullys oder so Fehlanzeige.

Um es kurz zu machen: so schnell haben wir noch nie kalte Füße gekriegt...

von den Straßen nichts mehr zu sehen...was bleibt, ist ein Fluss durch die Stadt

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